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Mittwoch,9.Mai 2007 Deggenhausertal / Roggenbeuren

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Hugo Rist kann in Haselnüssen baden DEGGENHAUSERTAL - Hugo Rist träumt von Italien:
Der Landwirt in Roggenbeuren baut Haselnüsse an und hat dabei die italienischen Plantagen vor Augen. Hauptexportländer sind zwar die Türkei, Italien, Spanien, Frankreich und die USA - aber mittlerweile sind
Haselnüsse auch aus dem Deggenhausertal zu haben.

"In Italien haben sie's leichter", sagt Hugo Rist. Während er spricht, wühlt der 72-jährige Landwirt ununterbrochen in seinen Haselnüssen: So wie Dagobert Duck in seinen Talern badet, könnte Rist ein Bad in den runden braunen Nüssen nehmen. Vier Tonnen hat er im Herbst geerntet, eine Tonne, also tausend Kilogramm, warten noch auf Käufer.

Wenn Rist sich mit seinen Nüssen beschäftigt, kommt er immer wieder auf Italien: In den südlicheren Ländern Europas werden die Haselnüsse im August geerntet, im trockenen Hochsommer. "Bei uns sind die Nüsse erst im September oder Oktober reif", sagt der Landwirt aus Roggenbeuren. "Dann ist es feucht, und ich muss die Nüsse erst trocknen, damit ich sie lagern kann."

Aber bevor es ums Lagern geht, kommt erstmal die Ernte: Wenn Bauer Rist Glück hat, stürmt es im Herbst so stark, dass alle Nüsse vom Baum fallen. Wenn nicht, muss er die Bäume schütteln. Rund fünf Meter hoch sind die Pflanzen, die sich knapp über dem Erdboden in viele gut armdicke Stämme verzweigen. "In Italien haben sie mittlerweile Haselbäume mit nur einem dicken Stamm", berichtet Rist. Aber das ist ihm für seinen eigenen Betrieb zu riskant: "Wenn bei mir ein Stamm etwas hat, kann ich den raus sägen, und der Rest der Pflanze bleibt stehen."

Der Boden in der Haselplantage ist topfeben: Das muss er auch sein, damit der Landwirt die Nüsse auflesen kann. Früher hat er das zusammen mit seiner Frau von Hand gemacht. "Da wirst du verrückt", sagt er und fasst sich an den Kopf. Inzwischen hat Rist eine Absaugmaschine, von der 25 Meter lange Schläuche abgehen. Vorne an den Schläuchen werden von ihm selbst erfundene Geräte befestigt, die an Staubsauger erinnern: Mit ihnen läuft er durch die Plantage und saugt die Nüsse in den Tank.

Nussbäume sind pflegeleicht

Abgesehen von der Erntezeit macht die Haselplantage nicht viel Arbeit. Auf rund zwei Hektar hat Rist vor zehn Jahren 2000 Bäume gepflanzt. So pflegeleicht wie sie sind auch die Nüsse selbst: Anders als bei den Walnüssen, deren Schale aus zwei Hälften besteht, sind die Haselnüsse rund-rum geschlossen - also kann ihnen beim Lagern nicht viel passieren, erklärt Rist und lässt die Finger durch die holzigen Früchte gleiten. Seine Nüsse sind nicht klein, aber: "Die ausländische Ware ist noch einen Zacken größer", gibt er zu.

Über Konkurrenz in der Region kann sich Bauer Rist nicht beklagen, trotzdem hat er es nicht leicht, seine Nüsse an den Mann zu bringen: Großabnehmer wie Schokoladenfabriken wollen nur die Kerne der Nüsse. Und eine Maschine zum Nüsseknacken hat der Landwirt nicht - die wäre ihm zu teuer. Rists Nüsse werden in Hofläden verkauft, zum Beispiel bei Arneggers in Oberteuringen-Hefigkofen, bei Hallers in Horgenzell-Gossetsweiler oder auf dem Bauernmarkt in Ravensburg.

Ein Bericht von Elke Oberländer